Umweltfreundlich und beliebt bei den Mitarbeitern – Elektrofahrzeuge scheinen für viele Flottenbetreiber eine gute Investition. Aber was am Anfang sinnvoll erscheint, kann am Ende der Laufzeit enttäuschen. Denn die „Total Cost of Ownership“ können Sie erst ermitteln, wenn Sie die Fahrzeuge verkauft haben. Deswegen lautet die zentrale Frage: Wie viel ist der Rest Ihres Stromers wert? Nur wenn Sie alle Zahlen für die Rechnung haben, können Sie ganzheitlich und für Ihren individuellen Fall beurteilen, ob sich die Investition in eine Elektroflotte lohnt.

Erklärung: Restwert = prognostizierter Marktwert
Aus dem Markt gibt es zu dieser Frage aktuell deutliche Signale: Der starke Restwertverfall setzt sich fort und der Wiederverkaufswert der Stromer fällt schneller als bei Verbrennern. Wir wollten es genauer wissen. Deswegen haben wir eine eigene Analyse betrieben und anhand von aussagekräftigen Marktdaten und den Erfahrungen unserer Holman Experten die Fakten unter die Lupe genommen.
Wer etwas über die Restwerte von Fahrzeugen erfahren will, muss sich den Gebrauchtwagenmarkt ansehen, der direkt mit den Restwerten gekoppelt ist. Die oben stehende Grafik von Autoscout24 zeigt deutlich, dass die Gebrauchtpreise für E-Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahresquartal um 30 % gesunken sind. Das Niveau der Verbrenner bleibt aber stabil.
Vertriebschef Stefan Heck von AutoScout24 – einer der größten Gebrauchtwagenbörsen Deutschlands – sieht voraus, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, dass Gebrauchtwagenpreise für Elektrofahrzeuge unter die der Verbrenner fallen. Da der Preisdruck auf die Marken hoch bleibe, hätte dies große Auswirkungen auf das Leasen von Elektrofahrzeugen, so der Vertriebschef.[1]
Wir wollten es aber noch genauer wissen und haben die durchschnittlichen Wiederverkaufszahlen des Hyundai Kona und Tesla Model 3 mit der gängigen Leasingkombination von 36/10.000 km p. a. im Detail für Sie betrachtet.
Am Beispiel des Hyundai Kona lässt sich erkennen, dass der erzielte Wiederverkaufswert in den letzten Quartalen, sowohl auf dem freien Markt (blau) als auch über den Remarketing-Verkauf (grün), gesunken ist. Der Markt hat sich mittlerweile an unsere durchschnittlichen Verkaufswerte angenähert.

Erklärung: Händlereinkaufspreis = Preis, den der Händler unter Berücksichtigung seines unternehmerischen Risikos bereit ist zu zahlen
Bei der Betrachtung des Tesla Model 3 ist der Fall des Gebrauchtwagenpreises bei E-Fahrzeugen noch wesentlich stärker zu beobachten: Hier rauscht vor allem der Händlereinkaufspreis auf dem Markt rapide in den Keller und fällt innerhalb eines Jahres um 10.000 Euro.

Da sich der Restwert stark am Gebrauchtwagenmarkt der Fahrzeuge orientiert, können wir eines festhalten: Der Abwärtstrend ist klar und deutlich – das verunsichert wahrscheinlich die Fuhrparkverantwortlichen. Was aber sind die möglichen Ursachen des Zerfalls des Wiederverkaufswertes bei E-Fahrzeugen und welche Handlungsoptionen können daraus für Sie resultieren?
Rabattaktionen für E-Autos bekräftigen den Abwärtstrend
Auch ein Experte vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach bestätigt dies: „Gebrauchte E-Fahrzeuge stehen zurzeit auf den Höfen der Autohändler. Zuletzt herrsche ein größeres Nachfragetief, daher gab es auch sinkende Preise und viele Rabattaktionen – z. B. bei Tesla – für Elektrofahrzeuge.“[2]
Erst vor einer Woche gab Tesla eine erneute Rabattaktion als Reaktion auf den schlechten Abverkauf für sein Model Y bekannt, das bereits zum sechsten Mal in Folge reduziert worden ist. Dies ist unter anderem auf den starken Rückgang von neu zugelassenen Elektrofahrzeugen zurückzuführen, der bei Tesla im Vergleich zum Vorjahr bei 64 % liegt.[3]
Ebenso wird diese Entwicklung durch die grafische Hinzunahme unserer eigenen Auswertung auf Schwacke-Basis bekräftigt:

Erklärung: LP = Listenpreis, netto; ETX FC = Schwacke Forecast
Deutlich zu erkennen ist auch hier, dass der Listenpreis des Tesla Model Y zum Ende des letzten bzw. zu Beginn dieses Jahres aufgrund der Rabattaktionen stark fällt. Dies wiederum wirkt sich auch negativ auf den Restwert (ETX FC) aus, der nach einem konstanten Verlauf Ende letzten Jahres ebenfalls stark fällt – definitiv keine gute Entwicklung.
Sie werden sich daher sicherlich fragen, welche Auswirkungen diesbezüglich nun im Leasing auf Sie als Fuhrparkmanager zukommen, denn das Risiko des Restwertes wird bekannterweise von den Leasinggesellschaften getragen.
Das stimmt so nicht ganz – die Leasingraten orientieren sich am prognostizierten Restwert (Wiederverkaufswert) der Fahrzeuge, weshalb ein außerordentlicher Verfall dieser wahrscheinlich in die zukünftigen Leasingraten einkalkuliert werden wird.
Sollten die Restwerte von E-Fahrzeugen weiter fallen, wird das Risiko der Leasinggesellschaften und damit der Hersteller, die das Kilometerleasing als Absatzfinanzierung nutzen, immer größer. Dies belegt auch das Center Automotive Research in Duisburg, das in einem aktuellen Report folgende Zahlen – auf Basis der Leasingkombination 36/15.000 p. a. – veröffentlicht hat:[4]
- Autobauer übernehmen 15 % des Wertverlustes bei E-Fahrzeugen
Ein Risiko, das die Leasinggeber sicherlich tragen wollen. Festzuhalten ist aber insgesamt, dass sich der Trend fortsetzt, so zumindest sieht es BMW-Finanzchef Walter Mertl. Die Hersteller seien von Subventionen (die abgebaut werden), Neuwagenproduktion und Angebot und Nachfrage abhängig. Wie es hier weitergeht, ist zurzeit offen.[5]
Fazit: Es herrschen unruhige Zeiten bei den Restwerten von E-Fahrzeugen. Zurzeit ist eine klare Tendenz nach unten zu erkennen. Das wird sich wahrscheinlich auf die Leasingpreise auswirken. Auf der positiven Seite stehen hohe Rabatte im Einkauf. Das sollten Sie unbedingt schon bei Ihrer Beschaffungsstrategie bedenken. Das Thema ist aber nicht nur vom Markt getrieben, sondern auch stark von Politik und Gesellschaft geprägt. Da kann es immer auch positive – oder negative – Überraschungen geben. Eines ist sicher: Wir als Holman verfolgen die Entwicklung des Marktes aufmerksam und werden Sie stets über neue Trends informieren. Bitte zögern Sie daher nicht, sich auch über weitere Entwicklungen des Automobilmarktes und/oder über unsere Produkte auf unserer Homepage zu informieren.
[1] Artikel: Online-Ausgabe vom Handelsblatt: „Gebrauchte Elektroautos dürften bald billiger sein als Dieselfahrzeuge“; 28.03.2024, 19:40 Uhr.
[2] Vgl. Artikel: Online-Ausgabe vom Handelsblatt: „Gebrauchte Elektroautos dürften bald billiger sein als Dieselfahrzeuge“; 28.03.2024, 19:40 Uhr.
[3] Vgl. Artikel: Online-Ausgabe vom Handelsblatt: „US-Fahrzeughersteller senkt Preise für Model Y um 6000 Euro“; 11.06.2024, 15:26 Uhr.
[4] Vgl. Artikel: Online-Ausgabe vom Handelsblatt: „Gebrauchte Elektroautos dürften bald billiger sein als Dieselfahrzeuge“; 28.03.2024, 19:40 Uhr.
[5] Vgl. Artikel: Online-Ausgabe vom Handelsblatt: „Gebrauchte Elektroautos dürften bald billiger sein als Dieselfahrzeuge“; 28.03.2024, 19:40 Uhr.